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Märkische Allgemeine Zeitung 25.02.2008  - FALKENSEE

Eine Hommage in Liedern und Geschichten

In ihrem Programm „Licht und Schatten“ arrangierte Schauspielerin Angelika Warning kaleidoskopisch Lieder und Geschichten aus dem Leben und über das Wesen der einflussreichen sozialistischen Politikerin, Frauenrechtlerin und Frau. Silke Lange begleitete sie dabei auf dem Akkordeon. Ende letzter Woche gastierte das ausdrucksstarke Künstlerinnenduo im Café des ASB Kultur- und Seminarhauses Falkensee vor allzu kleiner Zuschauerkulisse.

Sie kommen mit wenigen Requisiten aus. Eine Stehleiter, ein Pult, ein Hut voller Karteikarten mit ausgesuchten Zitaten aus Briefen, Reden und Schriften Clara Zetkins. Im Mittelpunkt der Darstellung brilliert die wandlungsfähige Altstimme Angelika Warnings. Hoffnungslos versnobt und bis zum Haaransatz verrucht klingt sie als „Dame“ in ihrer Interpretation des „Zweitältesten Frauenberufs“ von Georg Kreisler. Anrührend besingt sie ein Radieschen im Garten. Umso spitzer sticht die Pointe am Ende, wenn das harmlose Gemüse für einen Vergleich mit der Weimarer SPD herhalten muss: außen leuchtend rot und innen blass und weiß.

Mit Liedern wie „Raus mit den Frauen aus dem Reichstag“ von Friedrich Hollaender oder Brecht/Weills „Denn wovon lebt der Mensch?“ beschwören die beiden Künstlerinnen klanglich-atmosphärisch noch einmal die Turbulenzen der Weimarer Zeit herauf. In diesen musikalischen Rahmen stellen die Künstlerinnen ihr Porträt von Clara Zetkin als kompromisslose Kämpferin für die Gleichberechtigung von Frau und Mann in einer von Männern dominierten Gesellschaft: Ansichten und Einsichten einer berühmten Frauenrechtlerin. Clara Zetkin verdanken wir den Internationalen Frauentag, turnusmäßig Anlass, auf Missstände hinzuweisen wie die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern für gleiche Arbeit in gleicher Position. Clara Zetkin lebt.

„Kindererziehung sei Elternarbeit“, zitiert Warning die Politikerin Clara Zetkin. Den kurzen Schwenk auf gleiche Aussagen der aktuellen Familienministerin von der Leyen kann Angelika Warning nicht unterdrücken. Kabarettistisch klingt ihre Zetkin-Hommage dann und wann. Das sei aber „nicht gewollt“, so Angelika Warning.

Wurde Clara geliebt? So befragt Angelika Warning Zeitgenossen. Als Abgeordnete im Reichstag galt Clara Zetkin als scharfkantig, und ebenso starrsinnig in ihren politischen Grundsätzen wie stimmgewaltig. „Die liebenswerte Clara“ ertränkte Rosa Luxemburg in Rosen. Clara Zetkin – Lichtgestalt und Schattenfigur in einer Person. Am Ende ließ Angelika Warning „Rote Rosen regnen“ über „die Frau mit dem gewissen Etwas“.

Mit roten Rosen bedankte sich auch die Pädagogische Leiterin der ASB-Familienbildung und Kindertagesbetreuung Bettina Hegewald bei den Künstlerinnen für den außergewöhnlichen Abend.

Text und Foto © Petra Stroh