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Eine erlebnisreiche Garten-Groteske

08.06.2015 - Osnabrück. Am Samstag war es soweit: 2 Monate Probenzeit mit dem Piesberger FreiLAUFtheater gipfelten in der gut besuchten Premiere am 6.6.2015, veranstaltet vom Piesberger Gesellschaftshaus, Osnabrück.

Nymphentanz
Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion - „Norderweiterung gen Paradies“. Foto: Swaantje Hehmann

Die Presse schreibt:

Mutter Natur kann zuweilen sehr wehrhaft sein – eine der eindrücklichsten Impressionen, die sich den Zuschauern bei der Premiere des Stücks "Norderweiterung gen Paradies" auf sehr unterhaltsame Weise mitteilten. An wechselnden Spielorten ließ die Inszenierung des Piesberger Freilauftheaters die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen und band die Naturkulisse des Piesbergs dabei gekonnt mit ein.

Ein visionäres Gartenterrain soll im Norden der Stadt entstehen und jede Menge Nutz-, Schutz- und Entspannungsflächen umfassen. Dass dieses den Zuschauern gleich zu Beginn von Dezernentin Dr. Dorothea Dorn (Rita Blumenstiel) vorgestellte Großprojekt auf unerwarteten Widerstand stoßen sollte, wurde schnell deutlich. Als Angestellte der „Open Urban Gardening Entertainment“ begrüßte die quirlige Peggy (Viola Kuch) die Anwesenden und berichtete von planerischen Projektdetails. Ein quietschbuntes Gespann, bestehend aus einem pferdeähnlichen Wesen und einem Querflöte spielenden Faun, dominierte kurz darauf die Szenerie und gab sich als Interessenvertreter der Natur zu erkennen. Skurrile Kostüme und grotesk wirkende Dialoge sorgten dabei für Schmunzeleffekte (Regie: Sigrid Graf). Der Wechsel von assoziativen Anspielungen und klamaukhaften Passagen ließ viel Raum für individuelle Ausdeutungen. Bereits hier wurde deutlich, dass dem ambitionierten Gartengroßprojekt kein glücklicher Ausgang beschieden sein würde.

Per Bus ging es im Anschluss zum nahen Feldbahn-Bahnhof, dessen Gleisbett zur nächsten Spielstätte des Freilauftheaters umgestaltet worden war. Es folgte der Auftritt der zynisch agierenden Gartenbauingenieurin Annemarie Schwarzdorn (Angelika Warning), betraut mit der Aufgabe, der Politikerin Rositha zur Mühlen (Sabine Rose) und Verbandsvertreter Jacques du Lac (Wolfgang Schröter) die Vorteile des Projekts vor Augen zu führen. Die folgende Geländebegehung samt eigens für die Presse inszenierter „Umsiedlungsaktion“ ließ zahlreiche Parallelen zu beschönigenden Legitimationen von realen Großbauprojekten erkennen. Grell überzeichnete Dialoge, verschachtelte Szenenwechsel und verschiedene Handlungsebenen verlangten den Zuschauern dabei sehr viel Beobachtungs- und Auffassungsgabe ab. Projektangestellte Peggy und Ingenieurin Schwarzdorn entpuppten sich kurz darauf als magische Nymphen, die das Projekt mit einer Sabotagemission unterwandert haben .

Nach einer Feldbahnfahrt erklommen die Zuschauer den Piesberg in Gänze und genossen während der Pause die prächtige Aussicht. Dumpfe Trommelschläge kündeten schließlich vom Auftritt des „Herrschers über die Gärten des Todes“ (Gunnar Kählke). Der Aussichtsturm „Felsrippe“ diente dabei als Kulisse für ein furchterregendes Schauspiel samt Skelett-Ballett, dem sich die Zuschauer nur durch Flucht in die wartenden Busse entziehen konnten. cby Osnabrück. NOZ Neue Osnabrücker Zeitung vom 7.6.2015

Weitere Termine: Freitag, 12., Samstag, 13., Freitag, 19., und Samstag, 20. Juni, jeweils um 20 Uhr.

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